Sonntag, 10. Dezember 2017

Breisach: Gänsebraten und Schifffahrt mit dem Gänseschiff

Breisacher Vorweihnachtsfreude:
Auf dem „Gänseschiff“



Die Breisacher Schifffahrt „schippert“ nicht nur „so“ auf dem Rhein herum, sondern hat verschiedene interessante Programme und Ausflüge anzubieten. Ein Blick in den Veranstaltungskalender lohnt immer.

Zu den Highlights des ausklingenden Jahres gehört jedoch das „Gänseschiff“. Die armen Gänse, die kaum St. Martin überstanden haben, werden hier noch einmal hart rangenommen; Vegetarier sind bei diesem Ausflug eher fehl am Platz, obwohl der Salat und das Gemüse alleine auch schon eine Sünde wert wären.

Aber langsam, der Reihe nach. Es ist also Advent, Vorweihnachtszeit, eigentlich aber noch Herbst, zumindest kalendarisch. Trotzdem rieselt der Schnee leise, dass es eine Pracht ist. Selbst hier am bekannt warmen Kaiserstuhl. Das lässt die Stimmung und die Vorfreude auf einen knusprigen Gänsebraten erheblich steigen.                





Spaziergang im Schnee
Doch vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt und vor dem Gänsebraten einen Marsch durch das romantisch verschneite Breisach, vom Hotel Kapuzinergarten*** durch den alten Stadtkern hinab zum Rhein. Ich habe mich extra früh auf den Weg gemacht, denn die morgendliche Stimmung, so ganz alleine unterwegs, wollte ich genießen. Und so schlenderte ich an den Hafenanlagen vorbei, an einem idyllischen Gehölzstück, hinter dem sich ein Rheinarm verbarg, an Infotafeln zur Binnenschifffahrt bis zu Tafeln, auf denen die Rheinbegradigung des genialen Tulla erklärt werden.
 





Derart eingestimmt reihte ich mich dann in die wartenden Besucher beziehungsweise Mitfahrer und Gänsebratengenießer ein. Mittlerweile froh darüber, ins Warme und Trockene zu kommen. In einen heimeligen, festlich geschmückten Raum, der vorweihnachtliche Stimmung aufkommen ließ. 


 

Zeit war da bis zur Abfahrt, und so konnte man die Atmosphäre ausgiebig genießen. Vor dem Schiff spielten Schwäne und Möwen fangen, wohl nicht ahnend, dass sich heute kein Besucher über Deck aufhalten würde und so auch kein Krümelchen abfallen würde. 




Bei den Menschenkindern kommt jedoch beim Blick auf das aufgebaute, aber noch abgedeckte Büffet, Vorfreude, wenn nicht gar Hunger auf. Man weiß ja was kommen wird. Ein Blick auf die Speise- bzw. Getränkekarte zeigt, dass man auch feine Flüssigkeiten für verwöhnte Gäste vorhält. Zwei Stunden Genuss liegen also vor einem. 


 
Ich las noch einmal, was mich während der nächsten zwei Stunden erwartete: knusprige Gänsekeule, Krustenbraten, Apfelrotkohl, Kartoffelknödel, Salate, Gemüse. Mehrere Personen können sich sogar eine ganze Gans bestellen.

Ganze Familien sind da und verbreiten gute Laune. So muss ein Ausflug auf dem Schiff sein. Wie heißt es doch so schön: „Eine Schifffahrt die ist lustig …“. Wäre man auf einer Hochzeit zu Gast, wäre der Eindruck vermutlich auch kein anderer. 

 
Eine Schifffahrt ist immer was Besonderes …
… vor allem im Winter. Langsam, fast gespenstig, meinte man, die Ufermauer würde sich bewegen. Es setzte sich aber das Schiff in Bewegung. Wir fuhren. Rheinabwärts, rheinaufwärts. 




Etwas schade war es schon dass man vor lauter Geschnatter die Erklärungen des Kapitäns nicht verstehen konnte. Das Schiff wurde 1980 erbaut und im Jahre ??? verlängert – was nicht alles geht – aber dann überwog die gästegemachte Geräuschkulisse. Sei’s drum, alle fühlten sich wohl. Hinterher habe ich nachgelesen: Die Verlängerung war 2006 und das Schiff wird von zwei Maschinen zu je 250 PS angetrieben. Bei so etwas staune ich immer – 250 PS, da gibt es doch genügend Autos, die auch auf diese Leistung kommen. Bis zu 250 Menschen können auf dem Hauptdeck mitfahren, auf dem Freideck noch einmal so viele. Im Sommer halt. Interessant auch: Das Schiff ist rollstuhlgeeignet. Weitersagen …

 
Nach einiger Zeit wurde es dunkel. Man war in einer Schleuse. Das Schiff fuhr eine Zeitlang nicht mehr. Und in dieser Pause wurden die Köstlichkeiten des Büffetts aufgedeckt. Und die Gäste zeigten, dass sie ausgehungert waren. Wie bei Büffetts eben so üblich stürzten sich alle auf die Töpfe, es bildeten sich von beiden Seiten Schlangen, die natürlich auf sich trafen. Wobei jede Schlange selbstverständlich meinte, sie wäre die richtige und auf der richtigen Seite. Na ja, es menschelt eben auch beim Sonntagsausflug. 



 
Gänsebraten bis zur Schläfrigkeit
Nachdem aber alle fürs erste mal versorgt waren kehrten wieder Ruhe und Frieden ein. Jeder mampfte, ein paar Nachzügler, die den ersten Ansturm abgewartet hatten, konnten sich jetzt in aller Ruhe bedienen. 

Und langsam kehrte etwas Ruhe ein. Die erst laute Geräuschkulisse wich einem gedämpfteren, wohligen Gegrummel. Man merkte, die Bäuche waren voll, die Leute glücklich und zufrieden und vor allem müde, erschöpft und wohltuend schläfrig vom Essen. Friede auf Erden kehrte ein.




Und das Schiff fuhr und fuhr, drehte, fuhr zurück. Es war übrigens die „Weinland Baden“, auf der wir fuhren. Habe ich ganz vergessen zu erwähnen.

Und wie der Fahrt ein frühmorgendlicher Schneespaziergang vorausging, folgte nun ein Verdauungsspaziergang. Allerdings hatte der Schneefall aufgehört, was von oben kam war eher nass. Hielt sich aber in Grenzen. So konnte ich ein letztes Mal durch das alte Breisach bummeln. Die Kunstschätze im Münster noch einmal bewundern. Dazu die Exponate zur Stadtgeschichte, die im Heimatmuseum im Rheintor präsentiert werden.

Historie und Weihnachtsmarkt im Heimatmuseum im Rheintor
Das 400 Quadratmetern große Museum ist gut sortiert, nicht überfüllt, und die Erinnerungsstücke und Kunstschätze sind gut erklärt. Es befindet sich im 1678 erbauten Rheintor. Ich kenne das Gebäude mit der prächtigen Fassade aus Besuchen im Sommer. Jetzt sah es natürlich anders aus. Vor allem war die Schaufassade zum Teil eingerüstet. Schade zwar, aber man hats ja im Kopf.




 
Gezeigt wird die Geschichte der Stadt von den prähistorischen Anfängen bis in die Gegenwart. Unter anderem mit den derzeit so beliebten Wimmelbildern, die zeigen, wie es früher so zugegangen ist. 





Und jetzt in der Vorweihnachtszeit gibt es in den Räumen einen Künstler- und Kunsthandwerkermarkt, bei dem man sich arm kaufen könnte. Ich selbst war nahe dran, konnte mich aber gerade noch beherrschen. Nur eine herrliche Linzer Torte, die musste noch mit …

Info:
Breisacher Fahrgast-Schiffahrt GmbH, Rheinuferstraße 11, 79206 Breisach, www.bfs-info.de, info@bfs-info.de, Telefon 0049 (0) 7667 942010
Die Schiffe Weinland Baden und Napoleon sind rollstuhlgeeignet.

Museum für Stadtgeschichte, Rheintorplatz 1, 79206 Breisach, Telefon 0049 (0) 7667 832-65, museum@stadt-breisach.de, www.breisach.de

Auskunft:
Breisach-Touristik, Marktplatz 16, 79206 Breisach, Telefon 0049 (0) 7667 940155, Fax 940158, www.breisach.de, breisach-touristik@breisach.de,

Naturgarten Kaiserstuhl GmbH, Zum Kaiserstuhl 18, 79206 Breisach, Tel. 0049 (0) 7667 90685-0, www.naturgarten-kaiserstuhl.de

Unterkunft:
Hotel Kapuzinergarten***, Panoramahotel – Eventrestaurant, Kapuzinergasse 26, 79206 Breisach am Rhein, Tel: 0049 (0) 7667 93 00 0, Fax: 0049 (0) 7667 93 00 93, www.kapuzinergarten.de, mail@kapuzinergarten.de



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Samstag, 9. Dezember 2017

Breisach: Winzerkellerkrimi im Badischen Weinkeller

„Mörderischer Wein“:  
Welche Frau war es? Winzerkellerkrimi im
Badischen Weinkeller
 


Wer schon einmal Dürrenmatts Physiker gelesen oder gesehen hat, der kennt die Spannung, wenn ein paar Personen verdächtigt werden, jeder es auch gewesen sein könnte, man aber erst am Schluss herausbekommt, wer wirklich der Schuldige war.


Genauso ist es bei dem Krimi im Badischen Winzerkeller in Breisach. Nicht nur, dass er im Trio der ganz Großen Europas mitmischt, man hat sich hier mit einem Krimi mit Kellerführung und Essen etwas ganz Besonderes einfallen lassen.


 
Und es ist zum Glück nicht so wie man vielleicht befürchtet – viele Dinge, aber keines richtig. Ganz im Gegenteil. Gabi Wetter als Weinkennerin erster Klasse – es gibt keine Frage, auf die sie keine Antwort wüsste, Spiritus rector wohl auch der Krimiaufführung, Mitspielerin, Kellerführerin und was weiß ich noch, führt zweieinhalb Stunden durch die riesige Anlage des Badischen Winzerkellers. Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, sind es zwanzig Hektar, der größte Teil davon bebaut. Man wandert durch die Produktions- und Abfüllungshallen, und ist gleich zu Beginn in einen Mordfall verwickelt.




Hauptkommissar Kaschubke ermittelt im Mordfall des Kellermeisters Otto von Wildenen – beide vom selben Schauspieler mit wunderbarer Perfektion gespielt, der nicht nur ein reiches Sexualleben hat, sondern auch vielfältige Beziehungen der unterschiedlichsten Art zu drei verschiedenen Frauen. Dass auch diese sowie Kaschupkes Assistentin Klärchen von nur einer Frau gespielt werden, braucht ja wohl nicht extra erwähnt zu werden … Super. Gabi Wetter spielt Gabi Wetter: Immer mitten im Geschehen, hin und her gerissen von der „richtigen“ Kellereiführerin und der Kellereiführerin des Theaterstücks.





Rückblenden enthüllten ein bizarres Beziehungsgeflecht zwischen dem Mordopfer und den drei Frauen in seinem Leben. Die vierte war Kaschupkes penible Mitarbeiterin Klärchen, der die Auflösung zu einem Teil zu verdanken ist. Trotzdem: Auflösen möchte ich das Rätsel um den Mord natürlich nicht, man will ja kein Spielverderber sein. 






Aber die richtige Mörderin zu erraten hat trotz intensiven Befragungen des Hauptkommissars Kaschupke auch niemand von den Zuschauern vermocht. So bleibt die Spannung bis zur letzten Minute, als sich die Handschellen schlossen. Wie bei den Physikern eben …






Damit die Sache nicht ganz trocken wird, gab es zahlreiche Häppchen auf dem langen Weg durch die Kellerei, immer mit dem passenden Wein dazu. Das begann mit einem Pumpernickel mit Lachsmousse und rote Beete, dazu einem Sekt. So war schon mal der erste Hunger gestillt. Es folgte ein Wildgulasch auf Kartoffelpüree mit Blaukraut, einem Laugenbrötle mit einer Art Leberwurst oder Frischkäse, einem Münsterkäse mit Honig und Nussstücken und abschließend einem Dessert auf Lebkuchenbasis. Alles vereinfacht gesagt, wie man es eben verstanden oder geschmeckt hat. Stichwort geschmeckt: Es war super. War die einhellige Meinung der Mitwanderer durch die Krimigeschichte. Ebenso der Wein, von fruchtigem Weiß bis zu würzigem Rot. Dass ich wieder mal einen Ruländer probieren durfte wie ich ihn noch von früher kannte und er noch nicht vornehm Grauburgunder hieß, war mir ein inneres Missionsfest. Ich wusste gar nicht, dass es sowas noch gibt.




Nach der Enthüllung der richtigen Mörderin fuhr uns Gabi Wetter im „Bähnle“ noch einen Kilometer zurück, vorbei an Museumsstücken aus alten Zeiten und den Schätzen der Kellerei, gehüllt in schützendes Pergament, zum Teil noch aus Zeiten der Gründung der Genossenschaft stammend.




Das Ende fand dann im Holzfasskeller statt, einem der größten Europas.



Ein paar Fotos aus der Aufführung geben die Stimmung der grandiosen Aufführung in etwa wieder. Aber: Man muss es erlebt haben.

Einer der größten: der Badische Winzerkeller
Es dürfte Allgemeinwissen sein, dass der Badische Winzerkeller in Breisach zu den großen Global Playern der Kellereien gehört. Wie entstand er? Lassen wir uns von der Homepage des Unternehmens aufklären, aus welcher zu folgende Historie stammt.

„1881 wurde von Pfarrer Heinrich Hansjakob die erste Winzergenossenschaft Badens in Hagnau am Bodensee gegründet. Getreu dem engagierten Selbsthilfegedanken von Friedrich Wilhelm Raiffeisen (1818-1888) rief der Pfarrer dazu auf, die Traubenverarbeitung, die Weinbereitung und den Verkauf der erzeugten Weine selbst vorzunehmen. Durch den Wiederaufbau, die Verbesserung der Kultivierung, Flächenausdehnungen und Ertragsverbesserungen nach dem 2. Weltkrieg nahm die Entwicklung der Winzergenossenschaften in Baden einen rasanten Verlauf.
Die Pioniere der Gründerzeit sahen die weitere Entwicklung voraus und vollzogen den nächsten notwendigen Schritt, das Zusammenschließen von mehreren badischen Winzergenossenschaften zu einer zentralen Organisation, dem „Haus der Badischen Winzer“. Der Badische Winzerkeller wurde 1952 in Breisach in einer kleinen, hölzernen Baracke gegründet.“
 
Der Badische Winzerkeller repräsentiert 9 Anbaugebiete Badens mit rund 4000 angeschlossenen Winzern.

Info:


Badischer Winzerkeller eG, Zum Kaiserstuhl 16, 79206 Breisach am Rhein, Telefon: 0049 (0) 7667 900-0, Fax: 7667 900-232. info@badischer-winzerkeller.de, www.badischer-winzerkeller.de

Theater L.U.S.T.



Breisach-Touristik, Marktplatz 16, 79206 Breisach, Telefon 0049 (0) 7667 940155, Fax 940158, www.breisach.de, breisach-touristik@breisach.de

Naturgarten Kaiserstuhl GmbH, Zum Kaiserstuhl 18, 79206 Breisach, Tel. 0049 (0) 7667 90685-0, www.naturgarten-kaiserstuhl.de

Unterkunft:

Hotel Kapuzinergarten***, Panoramahotel – Eventrestaurant, Kapuzinergasse 26, 79206 Breisach am Rhein, Tel: 0049 (0) 7667 93 00 0, Fax: 0049 (0) 7667 93 00 93, www.kapuzinergarten.de, mail@kapuzinergarten.de

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